Nach unserem kurzen Abstecher nach Bratislava schlagen wir unser Zelt direkt an der Donau auf und fahren am nächsten Morgen gegen 6:45 weiter. Allerdings haben wir keine Wasservorräte mehr und sind sehr durstig. Auf dem super ausgebautem Fahrradweg (man könnte ihn auch Fahrradautobahn nennen) begegnet uns ein alter Mann auf einem Rennrad. Er spricht weder deutsch noch englisch und wir versuchen ihm klar zu machen, dass wir auf der Suche nach Wasser sind. Er nimmt uns mit in einen Ort, der so gar nicht mehr auf der Route liegt. Dort gibt es aber einen herrlichen Brunnen mit Trinkwasser und wir füllen unsere Wasservorräte auf. Als wir ihn fragen, wo es denn nach Budapest geht, zeigt er uns einen Weg – interessanterweise ist es der Eurovelo 6, der Radweg vom Atlantischen zum Schwarzen Meer, dem wir ab Wien bis Bulgarien folgen wollen. Nur ist er eben nicht auf slowakischer Seite (wie der unserer Route), sondern auf der Ungarischen. Wir entscheiden uns dazu, unsere geplante Route zu verlassen und folgen den Eurovelo 6 Schildern. Die Straßen sind gut, aber als wir nach 2 Stunden genauer auf unsere Karte schauen, merken wir: Das ist ein ziemlich großer Umweg. Umdrehen? Kommt nicht in Frage. Also fahren wir immer weiter, die Temperaturen liegen inzwischen bei ungefähr 37°. Es wird Nachmittag – und wir sind immer noch nicht auf der Route. Die Wegverhältnisse werden schlechter. Kein Asphalt mehr. Es geht bergauf auf Kieswegen. Dann: Gegenwind. Wir sind vollkommen erschöpft und merken langsam, dass wir ca. 50 km Umweg auf schlechten Straßen gefahren sind. Abends sind wir emotional am Ende und fragen einen Mann, ob wir in seinem Garten schlafen dürfen. Er erlaubt es uns. Am nächsten Tag fahren wir dann noch 30 km durch Matschpfützen und Schlaglöcher, bis wir endlich wieder auf die Route kommen! Dieses kleine Malheur hat uns im Endeffekt einen zusätzlichen Tag und viele Nerven gekostet aber es war ja klar, dass sowieso nicht alles so kommt wie wir uns das denken!

Dieser erste Tag in Ungarn hat unsere Erwartungen für die folgenden 6 Tage dann sehr niedrig werden lassen. Tatsächlich kamen die Radwege (und auch die vielbefahrenen Straßen) streckenweise nicht an unsere verwöhnten deutschen Erwartungen ran – oftmals fahren wir über mehr Schlaglöcher als Straße, andererseits sind Teile des Weges wieder super idyllisch und ruhig.

Unseren Pausetag in Budapest haben wir uns dann trotz der teilweise sehr schlechten Straßenverhältnisse nicht nehmen lassen. Vormittags haben wir den Ganzen Touri-Modus angeschaltet, Nachmittag haben wir uns in ein Internetcafé gesetzt um unsere anstehenden Visaanträge vorzubereiten. Abends haben wir uns schließlich noch das Highlight unseres Besuches gegönnt: Ein Besuch im Flippermuseum, bei dem man alle neuen und alten Flipper testen und spielen darf! Wer uns kennt, sieht bestimmt schnell welcher Flipper unser Favorit war 😉

Der Rest von Ungarn hat uns dann sehr überrascht: Obwohl uns immer weniger Radreisende begegnet sind, wurden die Straßenverhältnisse besser. Durchgehend asphaltierter Dammweg und eine gute Portion Rückenwind erleichterten uns das Radeln sehr. Außerdem gibt es in Ungarn in fast jedem Dorf Trinkwasserspender, an denen wir uns immer wieder waschen und erfrischen konnten – und mit nassen T-Shirts fährt es sich in der Hitze gleich doppelt so gut!