Visa

Notwendige Übel

Zwei Reisepässe

Wer so lange und weit unterwegs ist, kommt wahrscheinlich nicht drum rum, ein paar Visa zu beantragen. Wir haben uns deshalb vor unserer Reise jeweils einen zweiten Reisepass geholt. Das ging ziemlich unproblematisch. Wir sind dafür einfach ins Bürgerbüro gegangen und haben erklärt, was wir vorhaben. Wir sollten das ganze dann schriftlich kurz ausformulieren – ganz formlos. Wir haben dazu einfach aufgeschrieben, dass das China-Visum ab Ausstellung nur 3 Monate gültig ist, wir es aber nicht schaffen, in dieser Zeit von Deutschland nach China zu kommen. Außerdem haben wir erwähnt, dass es durch die Reise durch den Iran zu Einreiseproblemen in anderen Ländern kommen kann, weshalb wir zwei Pässe brauchen. Das hat ausgereicht und schwupps hatten wir schon zwei Reisepässe!

Unsere Strategie

Die Reisepässe haben wir dann beide zuhause gelassen, weil man bis einschließlich in die Türkei nur mit dem Personalausweis reisen kann. Wir haben sie uns dann an Orte, an denen wir Leute kannten mit den eingeklebten Visa hinschicken lassen.
Prinzipiell bestand unsere Taktik darin, die Visa-Anträge online auszufüllen und entweder digital oder persönlich zu unterschreiben. Deshalb haben wir vor der Abfahrt unsere Unterschrift mit Kulli auf ein leeres Blatt geschrieben und eingescannt. So ist es ganz leicht, die Unterschrift in PDF-Dateien einzufügen – das geht zB mit vielen Online-Bearbeitungsprogrammen wie etwa smallpdf.com. Wir würden empfehlen, zwei verschiedene Unterschriften zu digitalisieren, weil man für manche Anträge mehrmals unterschreiben muss – da ist es dann natürlich praktisch, wenn nicht alle Unterschriften exakt gleich aussehen. Teilweise haben wir die Anträge auch selbst unterschrieben und wieder eingescannt oder unseren Freunden mit nach Deutschland gegeben, die uns in Bulgarien besucht haben.

Die einzelnen Länder

TÜRKEI

Wie gesagt konnten wir in die Türkei ohne Probleme mit unserem Personalausweis einreisen und haben den Reisepass noch gar nicht gebraucht. Hier haben wir bei der Einreise einen Zettel mit unserem Einreisedatum bekommen, der den Eintrag in den Reisepass ersetzt hat (den Zettel haben wir tatsächlich oft gebraucht, sowohl als wir eine Sim-Karte gekauft haben, als auch bei Übernachtungen in Hotels – es ist also wichtig, den Zettel an der Grenze zu bekommen!)
So konnte ein Reisepass in Deutschland von Sinas Bruder in die iranische und turkmenische Botschaft geschickt werden.

IRAN

Der Iran ist unser erstes Land, in dem wir ein Visum brauchen. Dafür haben wir einfach online den Antrag ausgefüllt und digital unterschrieben. Zusätzlich haben wir ein Hotel in Teheran für 58 Tage gebucht (hierbei natürlich darauf achten, dass die Buchung kostenfrei wieder storniert werden kann) und haben diese Adresse dann im Antrag angegeben. Wir mussten unsere Unterlagen leider dreimal in die Botschaft schicken, weil wir einmal aus Versehen alles nach Frankfurt statt nach München geschickt haben und einmal die Bestätigung nicht beigelegt hatten, dass wir die Visagebühren überwiesen haben. Insgesamt sind also folgende Dokumente einzureichen:

  • Ein kurzes Anschreiben
  • Die Pässe
  • Die Bestätigung des Online-Antrags
  • Eine ausgedruckte Bestätigung der Überweisung der Gebühren
  • Ein frankierter und adressierter Rückumschlag

Als das dann alles im richtigen Konsulat vorlag, hat es nur ein paar Tage gedauert, bis wir sowohl per E-Mail als auch per Post unser Visum bekommen haben – ohne Probleme 60 Tage.

 

TURKMENISTAN

Vor dem Visum hatten wir ein bisschen Bammel, weil wir schon oft gelesen haben, dass Anträge einfach scheinbar grundlos abgelehnt wurden. Wir haben uns für ein fünftägiges Transit-Visum beworben. Dazu haben wir den Antrag auf dem Computer ausgefüllt (das ging nur, wenn man die Datei in Adobe Reader unter Windows geöffnet hat), ausgedruckt, unterschrieben und wieder eingescannt. Verwirrt waren wir ein bisschen bei unserem Einreiseort, denn dort gab es als Auswahlmöglichkeiten SARAHS D-YOL und SARAHS AWTO. Als wir deshalb im Konsulat angerufen haben, hat uns der freundliche Mitarbeiter irgendwann verständlich gemacht, dass AWTO natürlich AUTO heißt und wir das angeben sollen. Also haben wir die Express-Bearbeitung gewählt und den Antrag zusammen mit dem ausgefüllten Questioner und unseren Pässen nach Frankfurt geschickt. Als wir nach zwei Wochen noch keine Rückmeldung hatten, haben wir noch einmal dort angerufen und erfahren, dass in unserem Anschreiben explizit das Datum stehen muss, in welchem wir das Land durchqueren wollen, unser Reiseverlauf und unser Fortbewegungsmittel. Das ganze musste persönlich unterschrieben sein. Letztendlich waren also folgende Dokumente nötig:

  • Der ausgefüllte Antrag
  • Der Fragebogen (Questioner)
  • Unsere Pässe
  • Zwei Passfotos (wobei eigentlich auf dem Antrag schon Bilder von uns waren)
  • Ein Anschreiben mit explizitem Datum, Fortbewegungsmittel und planmäßigen Übernachtungsorten (hier haben wir geschrieben, dass wir uns um die Übernachtungsmöglichkeit vor Ort kümmern)
  • Unser Reiseverlauf (einfach ein Foto unserer Route)
  • Ein Ausdruck der Überweisung der Visagebühren
  • Ein frankierter und adressierter Rückumschlag

Als schließlich alle Dokumente im Konsulat waren, haben wir wieder über eine Woche gewartet. Da wir Expressbearbeitung gewählt und bezahlt haben (bis zu 3 Tage Bearbeitungszeit) haben wir noch einmal in Frankfurt angerufen. Dort wurde uns erklärt, dass sich die 3 Tage nur auf die Bearbeitungszeit im Konsulat in Frankfurt beziehen, und dass unsere ganzen Unterlagen jetzt nach Turkmenistan gesandt wurden – und wie lange das dauert, ist wohl immer ganz unterschiedlich. Letztendlich haben wir ungefähr 2 Wochen auf das Visum gewartet (jedenfalls ab dem Zeitpunkt, ab dem unsere Dokumente vollständig waren). Die Mitarbeiter dort waren aber immer sehr geduldig am Telefon und wir haben sicher fünfmal mit ihnen telefoniert – wer dort also auch ein Visum beantragt, dem empfehlen wir, einfach zwischendrin mal nachzufragen, ob alles vollständig ist und wie lange es wohl noch dauert 😉

USBEKISTAN

Für Usbekistan haben wir schon einen Antrag ausgefüllt, bis wir bemerkt haben, dass man mit deutschem Pass seit Anfang 2019 ohne Visum für 30 Tage einreisen kann – perfekt!

KIRGISTAN

Auch für Kirgistan braucht man als Deutscher die ersten 30 Tage kein Visum 🙂

CHINA

Das China-Visum war mit Turkmenistan für uns das aufwändigste. Wir haben hier das Antragsformular ausgefüllt und ausgedruckt. Dazu haben wir uns einen Reiseverlauf überlegt und Flüge und Hotels gebucht. Man kann es sich auch ein bisschen leichter machen und zB einfach nur ein Hotel in Peking angeben, aber wir wollten so wenig Risiko wie möglich eingehen. Wir haben dann auch tatsächlich Flüge gebucht und auch komplett bezahlt. Das war teuer, aber wir haben bei Turkish Airlines Flex-Tickets gefunden, die wir nach Erhalt unserer Visa storniert haben und jeden Cent wieder bekommen haben. Hotels haben wir jeweils bei Booking.com gesucht (aufpassen, dass sie wirklich kostenlos stornierbar sind) und auch diese später wieder storniert.

Als wir alles an die Botschaft geschickt haben, haben wir die Nachricht erhalten, dass die Anträge seit neuestem persönlich abgegeben werden müssen. Wir haben also eine Vollmacht geschrieben, und Sinas Bruder ist für uns nach München gefahren und hat die Anträge abgegeben und auch gleich bezahlt. Ab da hat alles problemlos geklappt, wir haben vorher aber auch mindestens 3 mal mit einer freundlichen Frau telefoniert und würden es wirklich jedem empfehlen, im Zweifelsfall ein paar Mal dort anzurufen.

Inzwischen ist es aber wohl so, dass man bei der Abgabe auch seine Fingerabdrücke abgeben und deshalb wirklich persönlich erscheinen muss. Wir haben von anderen Reisenden aber auch gehört, dass man in Teheran relativ einfach chinesische Visa beantragen kann.

VIETNAM

Für Vietnam braucht man als Deutscher ein Visum, wenn man länger als 15 Tage im Land bleiben will. Man kann online (Achtung, hier gibt es viele Seiten die offiziell ausschauen, aber eigenlich nur Agenturen sind) ein e-Visum beantragen, das 30 Tage lang gültig ist. Dafür einfach den Antrag ausfüllen, Geld bezahlen und circa 3 Tage warten. Wichtig ist hier zu wissen, dass der Zeitraum, den man im Antrag angibt, auch wirklich der Zeitraum ist, in dem man sich im Land aufhalten darf. Wer später einreist als am angegebenen Datum, hat weniger als 30 Tage in Vietnam (das ist uns passiert). Wir haben unser Visum in Hanoi um weitere 30 Tage verlängert, das ist allerdings sehr teuer, weil man als Tourist die Verlängerung nicht selbst beantragen darf, sondern eine Agentur beauftragen muss. Wir mussten pro Person deshalb nochmal 90$ bezahlen und haben uns deshalb ziemlich geärgert. Man kann vor Einreise auch ein Touristenvisum beantragen, sollte das aber dann rechtzeitig machen.

LAOS

In Laos gibt es an einigen Grenzübergängen “Visa on arrival”, das heißt man bekommt direkt an der Grenze gegen eine Gebühr das Visum ausgestellt. Hier muss man aber aufpassen, in den letzten Monaten sind da einige Grenzübergänge weggefalleln, die Visa on arrival ausstellen. Bei uns war das zum Beispiel nicht mehr möglich und wir mussten in der laotischen Botschaft in Hanoi Visa beantragen. Das war aber ziemlich leicht, wir sind dort einfach vormittags hin, haben vor Ort den Antrag ausgefüllt und den dann zusammen mit Passbildern und unseren Pässen abgegeben. Am selben Tag sind wir dann nachmittags wieder in die Botschaft, haben pro Person ungefähr 35$ bezahlt und hatten eingeklebte Visa für 30 Tage in unseren Pässen!

THAILAND

Mit deutschem Reisepass nach Thailand einzureisen geht ziemlich problemlos – an der Grenze bekommt man einen kostenfreien 30-tägigen Aufenthalt ausgestellt. Wir haben diese 30 Tage nochmal um 30 Tage verlängert, indem wir in ein “Immigration Office” (einfach in Google Maps eingeben) gegangen sind. Dort mussten wir Anträge ausfüllen, zwei Passfotos abgeben und haben eine Bestätigung aus unserem Hotel gebraucht, dass wir hier übernachten. Dann haben wir ungefähr eine halbe Stunde gewartet, bezahlt und hatten 30 zusätzliche Tage in Thailand.